Der Abend erscheint hier nicht einfach als Tageszeit, sondern als ein Übergang, in dem sich die Welt verwandelt. Der Blick des Sprechenden spaltet die Landschaft in zwei Bereiche: einen, der zum Himmel aufsteigt, und einen, der hinabsinkt. In dieser Schwebe fühlt er sich weder dem dunklen, schweigenden Haus zugehörig noch den aufsteigenden Sternen, die jede Nacht Ewigkeit beschwören. Was ihm bleibt, ist das eigene Leben – bang, riesenhaft, noch unfertig, aber reifend. Es wechselt unaufhörlich zwischen zwei Zuständen: mal wird es schwer und fest wie Stein, mal weit und leuchtend wie ein Gestirn. Das Gedicht fängt die Stille des Abends ein, aber auch eine innere Unruhe, das Gefühl, zwischen Endlichkeit und Ewigkeit, Dunkel und Licht zu stehen. Die Sprache ist ruhig, fast feierlich, und erzeugt eine nachdenkliche, leicht melancholische Stimmung.
Abend — Zusammenfassung
Der Abend wechselt langsam die Gewänder, die ihm ein Rand von alten Bäumen hält; du schaust: und von dir scheiden sich die Länder, ein himmelfahrendes und eins, das fällt:
und lassen dich, zu keinem ganz gehörend, nicht ganz so dunkel wie das Haus das schweigt, nicht ganz so sicher Ewiges beschwörend wie das was Stern wird jede Nacht und steigt –
und lassen dir (unsäglich zu entwirrn) dein Leben, bang und riesenhaft und reifend, so daß es, bald begrenzt und bald begreifend, abwechselnd Stein in dir wird und Gestirn.