Der Tod des Dichters — Zusammenfassung

Rainer Maria RilkeContemplative

Er lag. Sein aufgestelltes Antlitz war bleich und verweigernd in den steilen Kissen, seitdem die Welt und dieses von ihr Wissen, von seinen Sinnen abgerissen, zurückfiel an das teilnahmslose Jahr.

Die, so ihn leben sahen, wußten nicht, wie sehr er eines war mit allem diesen, denn dieses: diese Tiefen, diese Wiesen und diese Wasser waren sein Gesicht.

O sein Gesicht war diese ganze Weite, die jetzt noch zu ihm will und um ihn wirbt; und seine Maske, die nun bang verstirbt, ist zart und offen wie die Innenseite von einer Frucht, die an der Luft verdirbt.

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Ein Dichter liegt im Sterben. Sein Gesicht ist blass und abgewandt in den Kissen, als habe sich die Welt mit allem, was er von ihr wusste, aus seinen Sinnen zurückgezogen und sei in ein gleichgültiges Jahr gefallen. Die Menschen, die ihn lebend kannten, ahnten nicht, wie sehr er mit Tiefen, Wiesen und Wassern eins war – diese Landschaft war sein Gesicht. Jetzt, im Tod, will diese Weite noch zu ihm, wirbt um ihn. Was zurückbleibt, ist eine Maske, die langsam erstirbt. Der Vergleich mit der Innenseite einer Frucht, die an der Luft verdirbt, macht die Trauer spürbar: etwas sehr Empfängliches, Zartes liegt offen da, ungeschützt und dem Verfall preisgegeben. Die Stimmung ist still, fast ehrfürchtig, aber auch schmerzlich – als werde mit dem Dichter eine ganze Welt leiser und verletzlicher.

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