Rainer Maria Rilkes «Herbst» beginnt als stilles Naturbild: Blätter fallen, als kämen sie aus fernen, welkenden Himmelsgärten, und ihr Fall wirkt wie ein Nein. In den Nächten fällt dann sogar die Erde aus allen Sternen in die Einsamkeit. Aus dem herbstlichen Geschehen wird so ein Bild für die menschliche Vergänglichkeit: Wir alle fallen, jede Hand, jeder Mensch. Der Ton ist leise, weit und traurig, fast schwindelerregend. Doch die letzte Zeile wendet den Blick: Einer hält dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen. Dadurch bekommt das Gedicht eine tröstliche, beinahe religiöse Ruhe. Das Fallen verschwindet nicht, aber es ist nicht mehr nur Verlust, sondern etwas, das gehalten wird. Trauer und Vertrauen stehen dicht beieinander.
Herbst — Zusammenfassung
Die Blätter fallen, fallen wie von weit, als welkten in den Himmeln ferne Gärten; sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt. Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält.