Pont du Carrousel — Zusammenfassung

Rainer Maria RilkeContemplative

Der blinde Mann der auf der Brücke steht, grau wie ein Markstein namenloser Reiche, er ist vielleicht das Ding, das immer gleiche, um das von fern die Sternenstunde geht, und der Gestirne stiller Mittelpunkt. Denn alles um ihn irrt und rinnt und prunkt.

Er ist der unbewegliche Gerechte, in viele wirre Wege hingestellt; der dunkle Eingang in die Unterwelt bei einem oberflächlichen Geschlechte.

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Auf einer Brücke steht ein blinder Mann, grau und unscheinbar wie ein uralter Grenzstein. Rilke sieht in ihm etwas still Beharrendes: vielleicht ist er das einzig Gleichbleibende, um das sich die Gestirne drehen, ein ferner Mittelpunkt, während um ihn herum alles irrt, fließt und glänzt. Der Mann wird so zur Gegenfigur der geschäftigen, oberflächlichen Welt. Er wirkt wie ein unbeweglicher Gerechter, der in viele wirre Wege hineingestellt ist, und zugleich wie ein dunkler Eingang zur Unterwelt. Die Brücke rückt damit in ein seltsames Zwielicht: Sie verbindet nicht nur Ufer, sondern auch das sichtbare Treiben mit einer stillen, abgründigen Tiefe. Die Stimmung ist ernst, fast feierlich, aber auch traurig. Der Blinde bleibt ausgeschlossen vom Leben und steht doch als rätselhafte Mitte da; darin liegt eine leise Klage über die Gleichgültigkeit der anderen. Das Bild erzeugt Ehrfurcht und Beklemmung.

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