Im «Oktoberlied» spricht ein Mensch, der den trüben Herbsttag nicht einfach hinnimmt. Nebel steigt auf, das Laub fällt, der Tag ist grau – doch er fordert auf, Wein einzuschenken und sich den Tag zu vergolden. Das ist eine trotzige, fast heitere Geste gegen die Melancholie. Draußen mag es noch so wild zugehen, unchristlich oder christlich; die Welt bleibt für ihn schön und unverwüstlich. Auch ein wimmerndes Herz lässt sich mit einem klingenden Glas beruhigen, denn ein rechtes Herz ist nicht umzubringen. Die erste Strophe kehrt als Kehrreim wieder und verstärkt den liedhaften Ton.
Im zweiten Teil weitet sich der Blick. Der Herbst ist nicht das Ende: Der Frühling wird kommen, der Himmel wird lachen, die Welt in Veilchen stehen. Die blauen Tage soll man genießen, bevor sie verfliegen. So entsteht eine zuversichtliche, lebensfrohe Stimmung, die Vergänglichkeit kennt, aber nicht von ihr beherrscht wird.