Ein einzelner Seufzer wird hier zu einer Figur, die auf nächtlichem Eis Schlittschuh läuft. Er gleitet am Stadtwall entlang, träumt von Liebe und Freude, und die schneeweißen Gebäude leuchten still und kalt. Der Seufzer ist nicht nur ein Laut, sondern ein Wesen mit eigenen Träumen. Als er an ein Mädchen denkt, bleibt er „erglühend“ stehen. Die Sehnsucht macht ihn warm – und genau diese Wärme lässt die Eisbahn unter ihm schmelzen. Der Seufzer sinkt ein und wird nie mehr gesehen.
Die Szene wirkt verträumt, fast märchenhaft, aber auch ein wenig traurig. Ein zartes Gefühl wird so stark, dass es seinen eigenen Boden auflöst. Zurück bleibt nur die kalte Winterwelt am Stadtwall. Morgensterns Verse erzählen so von der Vergänglichkeit eines schwärmerischen Moments: Wer sich ganz in eine Sehnsucht hineinträumt, kann in ihr versinken – wie ein stiller Traum, der beim Erwachen zerrinnt.