Brigitte B. — Zusammenfassung

Ein junges Mädchen kam nach Baden, Brigitte B. war sie genannt, Fand Stellung dort in einem Laden, Wo sie gut angeschrieben stand.

Die Dame, schon ein wenig älter, War dem Geschäfte zugetan, Der Herr ein höherer Angestellter Der königlichen Eisenbahn.

Die Dame sagt nun eines Tages, Wie man zu Nacht gegessen hat: Nimm dies Paket, mein Kind, und trag es Zu der Baronin vor der Stadt.

Auf diesem Wege traf Brigitte Jedoch ein Individium, Das hat an sie nur eine Bitte, Wenn nicht, dann bringe er sich um.

Brigitte, völlig unerfahren, Gab sich ihm mehr aus Mitleid hin. Drauf ging er fort mit ihren Waren Und ließ sie in der Lage drin.

Sie konnt’ es anfangs gar nicht fassen, Dann lief sie heulend und gestand, Daß sie sich hat verführen lassen, Was die Madam begreiflich fand.

Daß aber dabei die Turnüre Für die Baronin vor der Stadt Gestohlen worden sei, das schnüre Das Herz ihr ab, sie hab’ sie satt.

Brigitte warf sich vor ihr nieder, Sie sei gewiß nicht mehr so dumm; Den Abend aber schlief sie wieder Bei ihrem Individium.

Und als die Herrschaft dann um Pfingsten Ausflog mit dem Gesangverein, Lud sie ihn ohne die geringsten Bedenken abends zu sich ein.

Sofort ließ er sich alles zeigen, Den Schreibtisch und den Kassenschrank, Macht die Papiere sich zu eigen Und zollt ihr nicht mal mehr den Dank.

Brigitte, als sie nun gesehen, Was ihr Geliebter angericht’, Entwich auf unhörbaren Zehen Dem Ehepaar aus dem Gesicht.

Vorgestern hat man sie gefangen, Es läßt sich nicht erzählen wo; Dem Jüngling, der die Tat begangen, Dem ging es gestern ebenso.

Ach Gott! Mein Gott! Dideldideldumda, dideldideldumda Dideldideldumda, dideldideldumda Dum dum da!

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Frank Wedekinds „Brigitte B.“ erzählt in trockenen, balladenhaften Versen von einer jungen Ladenangestellten in Baden. Als sie ein Paket zu einer Baronin bringen soll, wird sie unterwegs von einem fragwürdigen „Individuum“ bedrängt; aus Mitleid und Unerfahrenheit gibt sie sich ihm hin. Er stiehlt die Ware, doch schon am selben Abend ist sie wieder bei ihm. Pfingsten, während die Herrschaft fort ist, lässt Brigitte ihn ins Haus; er plündert Schreibtisch und Kassenschrank, sie flieht, beide werden gefasst. Der Erzählton bleibt spöttisch-distanziert, fast wie ein Moritat. Das Mitgefühl der Madam gilt weniger Brigitte als der gestohlenen Turnüre – einem modischen Hüftpolster –, und die alberne Schlusszeile „Dideldideldumda“ verstärkt die bittere, schwarzhumorige Wirkung: eine Satire auf bürgerliche Scheinmoral, Naivität und falsche Mitleidsbereitschaft.

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