Eine junge Frau steht allein am Meer, seufzt und ist vom Sonnenuntergang so tief ergriffen, dass es sie beinahe schmerzt. Sie wirkt wie eine empfindsame Schwärmerin, die im Naturschauspiel ein großes Gefühl sucht. Darauf antwortet eine zweite Stimme mit freundlicher Ernüchterung: Sie solle doch heiter sein, das alles sei nur „ein altes Stück“ – die Sonne gehe vorne unter und komme hinten wieder zurück. Der feierliche Zauber des Augenblicks wird also mit einer fast komischen Alltagslogik beiseitegeschoben. Die Stimmung ist zwiespältig: wehmütig und erhaben im ersten Teil, dann leicht und ironisch. Der Sprecher nimmt die Gefühle des Fräuleins nicht wirklich ernst, tröstet sie aber auf seine Weise: Was so groß und endgültig scheint, ist in Wahrheit ein vertrauter, immer wiederkehrender Vorgang.
Das Fräulein stand am Meere — Zusammenfassung
Das Fräulein stand am Meere Und seufzte lang und bang, Es rührte sie so sehre Der Sonnenuntergang.
Mein Fräulein! seyn Sie munter, Das ist ein altes Stück; Hier vorne geht sie unter Und kehrt von hinten zurück.