In „Ein Lied“ spricht ein Ich, das von tiefer Traurigkeit erfüllt ist, aber auch von einer großen Sehnsucht nach Weite und Flug. Die Tränen stehen hinter den Augen und müssen alle geweint werden; selbst der Mond, so heißt es, kennt die Traurigkeit. Um das Ich liegt zugleich etwas Stilles, Andächtiges, fast Feierliches – „sammtne Andacht“ und ein nahender Frühmorgen. Der Schmerz hat einen Grund: An einem „steinernen Herzen“ sind die Flügel des Ichs zerbrochen. Amseln fielen wie Trauerrosen aus dem blauen Gebüsch, ein Bild für Verlust und verletzte Liebe. Die einst lebendige Beweglichkeit ist abgestürzt. Doch das zurückgehaltene Gezwitscher will wieder jubeln; der Wunsch, mit den Zugvögeln fortzufliegen und mit den Winden zu atmen, bleibt bestehen. So verbindet das Gedicht Trauer und Sehnsucht, Schwere und Aufbruch. Es entsteht eine Stimmung, die wehmütig ist, aber nicht hoffnungslos – wie ein stiller Morgen nach einer langen Nacht.
Ein Lied — Zusammenfassung
Hinter meinen Augen stehen Wasser, Die muß ich alle weinen.
Immer möcht ich auffliegen, Mit den Zugvögeln fort;
Buntatmen mit den Winden In der großen Luft.
O ich bin so traurig – – – – Das Gesicht im Mond weiß es.
Drum ist viel sammtne Andacht Und nahender Frühmorgen um mich.
Als an deinem steinernen Herzen Meine Flügel brachen,
Fielen die Amseln wie Trauerrosen Hoch vom blauen Gebüsch.
Alles verhaltene Gezwitscher Will wieder jubeln
Und ich möchte auffliegen Mit den Zugvögeln fort.