Das Ich spricht eine schöne, aber falsche Person direkt an. Es weiß, dass die frommen Augen lügen und der Stolz auf der Stirn nie im Herzen gewohnt hat. Auch das kindeshelle Lächeln ist nur ein erfrorener Lichtstrahl, und hinter den Locken verbirgt sich ein Ohr, das heimlich auf Sünde lauscht. Selbst die keusche Scham täuscht: Darunter regt sich der Körper wie eine weiße Schlange. Die Stimme durchschaut die Lüge also genau, wendet sich aber nicht angewidert ab. Sie will den goldenen Schleier nicht heben, der die schwarze Nacht der Seele verdeckt. Stattdessen möchte sie in den schönen Zügen wie in einem himmlischen Gedicht lesen und absichtlich vergessen, dass Gott diesem Menschen mehr gab als ein Gesicht.
Die Stimmung ist zwiespältig: kühl und wissend, zugleich willenlos angezogen. Schönheit wird stärker als das moralische Urteil, und das Ich wählt bewusst eine Art Selbsttäuschung. Der Ton bleibt distanziert und fast beschwörend; Entlarvung und Sehnsucht nach dem schönen Schein liegen dicht beieinander.