Else Lasker-Schüler entwirft eine apokalyptische Szene: Die Welt ist von einem Weinen erfüllt, als wäre der liebe Gott gestorben; ein bleierner Schatten fällt herab und lastet grabesschwer. In dieser erdrückenden Endzeit sucht das lyrische Ich Schutz bei einem Du – man will sich näher verbergen, weil das Leben in allen Herzen bereits wie in Särgen liegt. Die Sarg-Metapher macht spürbar, dass nicht nur die äußere Welt, sondern auch das Innere der Menschen erstarrt ist. Auffällig ist der Wechsel vom allgemeinen Weinen zum persönlichen Gegenüber: Aus der Todesnähe wächst ein leidenschaftlicher Gegenzug, ein tiefer Kuss und eine pochende Sehnsucht, an der beide sterben müssen. Gerade das „Du!“ am Ende klingt wie ein Aufschrei aus der Einsamkeit. Die Stimmung bleibt schwermütig und drängend zugleich; das Ende erscheint nicht als lautes Drama, sondern als stilles, bleiernes Gefühl, dem nur noch die Liebe eine letzte Nähe und Wärme entgegensetzt.
Weltende — Zusammenfassung
Es ist ein Weinen in der Welt, Als ob der liebe Gott gestorben wär, Und der bleierne Schatten, der niederfällt, Lastet grabeschwer.
Komm, wir wollen uns näher verbergen … Das Leben liegt in aller Herzen Wie in Särgen.
Du! wir wollen uns tief küssen – Es pocht eine Sehnsucht an die Welt, An der wir sterben müssen.