Die Stadt erscheint hier als riesiger, halb lebendiger Körper in der Nacht. Der Wolkenschein zerreißt vor dem untergehenden Mond, unzählige Fenster blinzeln wie kleine rote Augen, und Straßen verlaufen wie Adern durch den Raum. Menschen strömen ein und aus, ohne dass ein einzelnes Schicksal sichtbar wird. Alles klingt stumpf und eintönig: Geburt, langes Sterben und blindes Einerlei wechseln sich ab, die Nacht wirkt dabei unendlich weit. Der Sprecher fühlt sich in diesem Treiben gefangen und ausgeliefert; er erlebt die Menge als anonym und das Leben als dumpfen Kreislauf. Zugleich drohen aus der Ferne Fackeln und Brände wie erhobene Hände, als stünde ein gewaltsamer Ausbruch oder Zusammenbruch unmittelbar bevor. Dadurch entsteht eine beklemmende, apokalyptische Stimmung. Die moderne Stadt wird nicht als Ort der Lebendigkeit gezeigt, sondern als unheimliches, monotones Gebilde, in dem das einzelne Leben kaum zählt.
Die Stadt — Zusammenfassung
Sehr weit ist diese Nacht. Und Wolkenschein Zerreißet vor des Mondes Untergang. Und tausend Fenster stehn die Nacht entlang Und blinzeln mit den Lidern, rot und klein.
Wie Aderwerk gehn Straßen durch die Stadt, Unzählig Menschen schwemmen aus und ein. Und ewig stumpfer Ton von stumpfem Sein Eintönig kommt heraus in Stille matt.
Gebären, Tod, gewirktes Einerlei, Lallen der Wehen, langer Sterbeschrei, Im blinden Wechsel geht es dumpf vorbei.
Und Schein und Feuer, Fackeln rot und Brand, Die drohn im Weiten mit gezückter Hand Und scheinen hoch von dunkler Wolkenwand.