Aufmunterung zur Freude

Wer wollte sich mit Grillen plagen, So lang’ uns Lenz und Jugend blühn? Wer wollt’ in seinen Blütentagen Die Stirn’ in düstre Falten ziehn?

Die Freude winkt auf allen Wegen, Die durch dies Pilgerleben gehn; Sie bringt uns selbst den Kranz entgegen, Wenn wir am Scheidewege stehn.

Noch rinnt und rauscht die Wiesenquelle; Noch ist die Laube kühl und grün; Noch scheint der liebe Mond so helle, Wie er durch Adams Bäume schien!

Noch macht der Saft der Purpurtraube Des Menschen krankes Herz gesund; Noch schmecket in der Abendlaube Der Kuss auf einen rothen Mund!

Noch tönt der Busch voll Nachtigallen Dem Jüngling hohe Wonne zu; Noch strömt, wenn ihre Lieder schallen, Selbst in zerrissne Seelen Ruh!

O wunderschön ist Gottes Erde, Und werth darauf vergnügt zu sein! Drum will ich, bis ich Asche werde, Mich dieser schönen Erde freun!

Ludwig Christoph Heinrich Hölty

Learn by heart: tap a gap

Wer wollte sich mit plagen,
So lang’ uns Lenz und blühn?
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