In Höltys «Aufmunterung zur Freude» spricht ein lyrisches Ich, das sich bewusst gegen Schwermut und Grübeln entscheidet. Es fragt, warum man in Jugend und Frühling die Stirn in Falten legen sollte, wo die Freude doch auf allen Wegen lockt und selbst an Wendepunkten einen Kranz bereithält. Die wiederholten „Noch“-Sätze betonen, dass die Welt ihre Gaben weiterhin schenkt: die kühle Laube, den hellen Mond, Wein, Küsse und Nachtigallengesang. Selbst zerrissene Seelen finden darin Ruhe. Der Sprecher fühlt tiefe Dankbarkeit und Lebenslust, aber kein naives Glück: Er weiß um die Vergänglichkeit, nennt das Leben eine Pilgerreise und erwartet, „Asche“ zu werden. Gerade deshalb will er sich der schönen Erde freuen. So entsteht eine warme, heitere und zugleich nachdenkliche Stimmung, die zum bewussten Genuss der Gegenwart ermutigt.
Aufmunterung zur Freude — Zusammenfassung
Wer wollte sich mit Grillen plagen, So lang’ uns Lenz und Jugend blühn? Wer wollt’ in seinen Blütentagen Die Stirn’ in düstre Falten ziehn?
Die Freude winkt auf allen Wegen, Die durch dies Pilgerleben gehn; Sie bringt uns selbst den Kranz entgegen, Wenn wir am Scheidewege stehn.
Noch rinnt und rauscht die Wiesenquelle; Noch ist die Laube kühl und grün; Noch scheint der liebe Mond so helle, Wie er durch Adams Bäume schien!
Noch macht der Saft der Purpurtraube Des Menschen krankes Herz gesund; Noch schmecket in der Abendlaube Der Kuss auf einen rothen Mund!
Noch tönt der Busch voll Nachtigallen Dem Jüngling hohe Wonne zu; Noch strömt, wenn ihre Lieder schallen, Selbst in zerrissne Seelen Ruh!
O wunderschön ist Gottes Erde, Und werth darauf vergnügt zu sein! Drum will ich, bis ich Asche werde, Mich dieser schönen Erde freun!