Fontane notiert einen Morgen in schlichten, fast gemütlichen Bildern: ausgeschlafen aufwachen, warmer Kaffee, frische Semmel, die Zeitung mit ihren Beförderungsnachrichten, vor dem Fenster eine belebte Straße, Schulmädchen, eine Schürze beim Schlächter. Alles scheint freundlich und nett. Doch die Schlussfrage verschiebt den Ton: Hätte er weitergeschlafen und von all dem nichts gewusst, würde es ihm fehlen? Damit spricht der Sprecher halb belustigt, halb melancholisch aus, wie dünn der Unterschied zwischen Behaglichkeit und Gleichgültigkeit sein kann. Der Morgen verliert nichts von seinem Reiz, aber er wird plötzlich wie von außen betrachtet. Es bleibt offen, ob diese kleinen Freuden wirklich gebraucht werden oder ob sie nur angenehm sind, solange man zufällig wach ist. Die Stimmung ist ruhig, ein wenig ironisch und sehr nachdenklich.
Würd’ es mir fehlen, würd’ ich’s vermissen? — Zusammenfassung
Würd’ es mir fehlen, würd’ ich’s vermissen?
Heut’ früh, nach gut durchschlafener Nacht, Bin ich wieder aufgewacht. Ich setzte mich an den Frühstückstisch, Der Kaffee war warm, die Semmel war frisch, Ich habe die Morgenzeitung gelesen (Es sind wieder Avancements gewesen). Ich trat ans Fenster, ich sah hinunter, Es trabte wieder, es klingelte munter, Eine Schürze (beim Schlächter) hing über dem Stuhle, Kleine Mädchen gingen nach der Schule — Alles war freundlich, alles war nett, Aber wenn ich weiter geschlafen hätt’ Und tät’ von alledem nichts wissen, Würd’ es mir fehlen, würd’ ich’s vermissen?