In Storms „Abseits“ öffnet sich eine Heide im warmen Mittagslicht. Gräber, blühende Kräuter, summende Bienen, goldene Laufkäfer und Lerchenlaute verbinden sich zu einem Bild ländlicher Ruhe. Vor einem halb verfallenen Haus lehnt ein alter Käthner und schaut den Bienen zu; daneben schnitzt sein Junge Pfeifen. Die Stimmung ist friedlich, fast zeitenthoben, aber nicht ganz ungetrübt: Das verfallende Haus und die alten Gräber setzen leise Schatten. Der Sprecher nimmt diese Abgeschiedenheit mit ruhiger Zuneigung wahr, fast als Bewahrung einer stillen Welt. Besonders der ferne Dorfuhrschlag und die Zeile, dass kein Klang der aufgeregten Zeit in diese Einsamkeit dringt, machen das Gedicht zu einer Sehnsuchtsgeste: Abseits herrscht eine einfache, dauerhafte Ordnung, in der Menschen, Tiere und Jahreszeiten noch zusammengehören.
Abseits — Zusammenfassung
Es ist so still; die Haide liegt Im warmen Mittagssonnenstrahle, Ein rosenrother Schimmer fliegt Um ihre alten Gräbermale; Die Kräuter blühn; der Haideduft Steigt in die blaue Sommerluft.
Laufkäfer hasten durch’s Gesträuch In ihren goldnen Panzerröckchen, Die Bienen hängen Zweig um Zweig Sich an der Edelhaide Glöckchen; Die Vögel schwirren aus dem Kraut – Die Luft ist voller Lerchenlaut.
Ein halbverfallen Schindelhaus Steht einsam hier und sonnbeschienen; Der Käthner lehnt zur Thür hinaus, Behäglich blinzelnd nach den Bienen; Sein Junge auf dem Stein davor Schnitzt Pfeifen sich aus Kälberrohr.
Kaum zittert durch die Mittagsruh Ein Schlag der Dorfuhr, der entfernten; Dem Alten fällt die Wimper zu, Er träumt von seinen Honigerndten. – Kein Klang der aufgeregten Zeit Drang noch in diese Einsamkeit.