Ein Weib — Zusammenfassung

Sie hatten sich beide so herzlich lieb, Spitzbübin war sie, er war ein Dieb. Wenn er Schelmenstreiche machte, Sie warf sich auf’s Bett und lachte.

Der Tag verging in Freud und Lust, Des Nachts lag sie an seiner Brust. Als man in’s Gefängniß ihn brachte, Sie stand am Fenster und lachte.

Er ließ ihr sagen: O komm zu mir, Ich sehne mich so sehr nach dir, Ich rufe nach dir, ich schmachte – Sie schüttelt’ das Haupt und lachte.

Um sechse des Morgens ward er gehenkt, Um sieben ward er in’s Grab gesenkt; Sie aber schon um achte Trank rothen Wein und lachte.

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Heines „Ein Weib“ erzählt in vier volksliedhaften Strophen eine kleine Gaunergeschichte. Ein Dieb und seine Geliebte, eine Spitzbübin, haben sich herzlich lieb; wenn er Schelmenstreiche macht, lacht sie. Doch sobald er ins Gefängnis kommt, steht sie nur am Fenster und lacht, und seine sehnsüchtige Bitte, ihn zu besuchen, beantwortet sie mit Kopfschütteln und Lachen. Am Ende wird er um sechs Uhr gehängt, um sieben begraben – um acht trinkt sie bereits roten Wein und lacht. Der Sprecher berichtet kühl und fast unbeteiligt, ohne moralischen Kommentar; gerade dadurch entsteht eine bittere, makabre Stimmung. Das refrainartige „lachte“ unterstreicht die schneidende Pointe: Das wiederholte Lachen der Frau kippt vom Zeichen der Freude in den Ausdruck völliger Gleichgültigkeit. Die nüchternen Zeitangaben der letzten Strophe machen das besonders greifbar: Kaum liegt der Tote im Grab, ist ihr Alltag schon weitergegangen. Liebe erweist sich als bloße Redensart, zurück bleibt kalter Hohn.

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