In Wilhelm Buschs knappen Versen wird eine scheinbar große Liebesgeschichte erzählt – und zugleich leise demontiert. Ein Paar leidet an seiner Leidenschaft, wird blass, redet unaufhörlich und findet nach langer Qual endlich zur Ehe. Doch was als romantische Erfüllung klingt, mündet in eine Szene stiller Ernüchterung: Sie sitzt im Morgenhabit und strickt einen Strumpf, er liest die Kölnische Zeitung und teilt ihr „das Nötige“ mit. Der Ton des Sprechers ist trocken, fast unbeteiligt; die Bemerkung, die Seelen hätten nun Ruh, wirkt eher wie das Ende aller Aufregung als wie Glück. So entsteht eine ironische Stimmung voller leiser Komik und Melancholie: Aus der großen Leidenschaft ist ein alltägliches Nebeneinander geworden, in dem die Kommunikation auf Notwendiges schrumpft.
Die Liebe war nicht geringe — Zusammenfassung
Die Liebe war nicht geringe. Sie wurden ordentlich blaß; Sie sagten sich tausend Dinge Und wußten noch immer was.
Sie mußten sich lange quälen, Doch schließlich kam's dazu, Daß sie sich konnten vermählen. Jetzt haben die Seelen Ruh.
Bei eines Strumpfes Bereitung Sitzt sie im Morgenhabit; Er liest in der Kölnischen Zeitung Und teilt ihr das Nötige mit.