Ein Hecht lässt sich vom heiligen Anton zum Vegetarismus bekehren und beschließt, mit Frau und Sohn moralisch aufzusteigen. Fortan frisst er nur noch Seegras, Seerose und Seegries. Doch der pflanzliche Speiseplan bekommt dem Raubfisch nicht: Alles fließt bei ihm ekelerregend wieder hinten heraus, der ganze Teich wird verseucht, fünfhundert Fische verenden. Als man den heiligen Anton eilig herbeiruft, sagt er bloß: „Heilig! heilig! heilig!“
Die kleine Verserzählung lebt von ihrem trockenen, fast genüsslichen Schrecken. Morgenstern treibt die fromme Bekehrungsgeschichte ins Absurde: Die gute Absicht richtet eine Katastrophe an, und der Heilige reagiert mit leerer Frömmigkeit. Der Ton ist spöttisch-gruselig, mit einem bösen kleinen Lachen über moralischen Eifer und über Fromme, die auf Not nur fromme Worte wissen. Übrig bleibt eine komische, leicht unheimliche Parabel über falsch verstandene Moral.