Morgensterns Verse erzählen ein kleines absurd-märchenhaftes Geschehen: Ein Lattenzaun steht da, durch dessen Lücken man hindurchsehen kann. Ein Architekt entdeckt genau diesen Zwischenraum, nimmt ihn kurzerhand heraus und errichtet daraus ein großes Haus. Zurück bleibt ein Zaun aus einzelnen Latten, um die nichts mehr herum ist – ein kläglicher, hässlicher Anblick. Deshalb zieht der Senat den Zaun ein, während der Architekt nach Afrika oder Amerika entwischt. Der Ton ist ruhig, fast sachlich, dabei aber spielerisch und voller stiller Komik. Die Leerstelle wird wie ein greifbarer Gegenstand behandelt, als könne man mit dem Nichts bauen. Dadurch kippt die vertraute Ordnung: Nicht das Material, sondern der Raum dazwischen wird zur Hauptsache. Die Stimmung bleibt heiter und leicht spöttisch, wie bei einem Schildbürgerstreich, über den man lächelt, ohne dass jemand wirklich zu Schaden kommt.
Der Lattenzaun — Zusammenfassung
Es war einmal ein Lattenzaun, mit Zwischenraum, hindurchzuschaun.
Ein Architekt, der dieses sah, stand eines Abends plötzlich da —
und nahm den Zwischenraum heraus und baute draus ein großes Haus.
Der Zaun indessen stand ganz dumm, mit Latten ohne was herum.
Ein Anblick gräßlich und gemein. Drum zog ihn der Senat auch ein.
Der Architekt jedoch entfloh nach Afri — od — Ameriko.