Ein Hase sitzt auf einer Wiese und ist überzeugt, dass ihn niemand sieht. Doch gegenüber auf einem Berg steht ein Mensch mit einem Zeiß-Fernglas und betrachtet den kleinen „Löffelzwerg“ ganz genau. Was der Mensch nicht ahnt: Auch er wird beobachtet – von einem Gott, der aus der Ferne mild und stumm auf ihn herabblickt. So entsteht eine kleine Kette der Blicke. Morgenstern spielt mit dem Gefühl, unbeobachtet zu sein, und dreht es auf mehreren Ebenen um. Der Ton ist leicht und scherzhaft, vor allem durch Wörter wie „Löffelzwerg“ für den Hasen. Am Ende wird die Stimmung ruhiger, fast andächtig, weil der Gott nichts sagt und kein Urteil fällt. Man lächelt über die vermeintliche Sicherheit des Hasen, merkt aber zugleich: Wer sieht, kann selbst gesehen werden. Genau darin liegt der feine Witz des Textes.
Vice versa — Zusammenfassung
Ein Hase sitzt auf einer Wiese, des Glaubens, niemand sähe diese.
Doch, im Besitze eines Zeißes, betrachtet voll gehaltnen Fleißes
vom vis-à-vis gelegnen Berg ein Mensch den kleinen Löffelzwerg.
Ihn aber blickt hinwiederum ein Gott von fern an, mild und stumm.